16.09.2008

Kunst Freiraum Stadt

Open Space Acting - Bürger und Künstler entwickeln einen Stadtteil

- Belebung der Interaktion im öffentlichen Freiraum –
- Stadtteilentwicklung mit künstlerischen Mitteln –

Als die Künstler der Schwankhalle ihr Haus 2003 öffentlich „einräumten“, geriet dies Unternehmen zum „freiräumen“, nämlich von Dächern, Kiosken, Schaufenstern, Telefonzellen, Haltestellen. Es enstand dier Keim der Idee, die heute als „Kunst.Freiraum.Stadt“ heißt und als Projekt zwischen denen, die die Stadt planen und denen, die sie nutzen, wirksam werden soll. Die Künstler machten den Buntentorsteinweg zur Bühne und so auf sich als neue Mieter und Nachbarn aufmerksam. Die Bewohner nahmen sie auf und ihre Ideen an.

Passanten trafen unvermittelt auf sie und blieben stehen, redeten mit ihnen. Geschäftsleute betrachteten die lebenden performativen „Auslagen“ in ihren Fenstern amüsiert und durften darauf hoffen, dass potentielle Käufer sich auch noch später erinnern würden an diesen merkwürdigen Laden.

Die Schwankhalle kam an – sie ist seit ihrem Bestehen ein Identifikations-faktor im Stadtteil geworden und das will sie jetzt schamlos ausnutzen, indem sie mit den Stadtplanern ihren Aktionsrahmen erweitert.

Die Bremer Neustadt liegt mit hohem Einwohnerrückgang, überdurchschnittlichem Ausländer- und Erwerbslosenanteil im internationalen Trend der Segregation innerstädtischer Stadtteile. Die Neustadtswallanlagen, der einzige größere öffentliche Freiraum der Neustadt, bilden das Ausgangspotential, um positiven Einfluss auf das soziale Miteinander und das Stadtbild auszuüben. Hier liegt die Chance, die Mischung der Neustädter sozialen Schichten, ethnischen Gruppen sowie Altersgruppen zusammenzuführen – anhand und mit Hilfe einer gemeinsamen, lokale Alltagskultur einerseits und durchaus fremder künstlerischer Prozesse andererseits, die irritieren und inspirieren sollen. Althergebrachte Nutzungsmuster und deren räumliche Trennung im öffentlichen Freiraum - Kinderspiel, Ruhebereiche, Sport usw.– sollen aufgebrochen und neu belebt werden.

Unter einer künstlerischen Leitung soll ein kulturell inspirierter und lustvoll gestalteter Bespielungs- bzw. Benutzungsprozess erprobt und diskutiert, eine viel stärkere Aneignung des öffentlichen Freiraums als bisher in die Wege geleitet werden. Wir fördern einen Prozeß, den geschlossenen Raum zu verlassen: Künstler verlassen selbst „ihre“ fixen Orte – und holen die Menschen des Stadtteils aus deren geschlossenen Räumen in den öffentlichen Freiraum (zurück). Der öffentliche Freiraum ist die Grundlage alltäglicher Lebensqualität, Ort kultureller Erfahrungen und Highlights – und also unverzichtbar, um eine bewusste, nachhaltige Stadtteilentwicklung zu betreiben.

Die Akteure, die diesen Prozess initiieren, sind Stadtgrün Bremen als Moderator und die Schwankhalle als künstlerischer Impulsgeber. Einrichtungen und Institutionen wie die Stadtteilbibliothek, die Hochschule Bremen, das Amt für soziale Dienste, das Rot-Kreuz-Krankenhaus und Neustädter Wirtschaftsbetriebe (Fa. Beck & Co. beabsichtigt ein Engagement) sollen in die lokale Entwicklung einbezogen sein – als Orte, als Partner und als Nutzer. Die Dynamik, die Zielgruppen und die konkreten Produkte werden nicht im Voraus bestimmt, sondern entwickeln sich während des Prozesses.

Unter einer bei der Schwankhalle angesiedelten Intendanz werden durch künstlerische Initialzündungen für die lokalen Akteure Beteiligungs- und Entwicklungsprozesse im Freiraum angestoßen. Besucher des Parks, auch zufällige, Passanten, Jugendliche, Penner, Kinder, Alkis, Omas, Schulschwänzer, vielleicht sogar Beamte, werden sich zueinander oder zu den agierenden Künstlern bzw. künstlerisch agierenden Laien gesellen, sich und der lebendigen Kunst im öffentlichen Raum Schritt für Schritt näher kommen, sich in eine Interaktion mit den Künstlern hineintrauen – und erfahren, was die Beschäftigung oder Betätigung mit etwas Ungewohntem (das wir u.U. Kunst nennen) mit ihnen macht.

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